Wings of Art

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Katalog zur Ausstellung der Kunsthalle Darmstadt vom 16.9.2003 bis 25.11.2003 in Kooperation mit dem Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen.

Artikelnummer: 978-3-87390-176-6 Kategorie: Schlüsselworte: , , Autoren: .

Beschreibung

Als Symbol – und Fetisch – technischer Machbarkeit durchlebte das Flugzeug eine ebenso wechselvolle wie paradoxe Geschichte. Auf der einen Seite wurde es stets mythologisiert, erschien als Verwirklichung uralter menschlicher Sehnsüchte. Genauso konnte es als Anlaß gesehen werden, Mythen im zeitgenössischen Sinne neu zu deuten, schien beispielsweise geeignet, die sattsam bekannte moralisierende Saga vom Sturz des Ikarus mit jedem gelungenen Flug realiter zu relativieren. Trotz allen notwendigen Kalküls blieb dem „magischen“ Gerät die Wertaura eines einzigartigen Geniestreichs des Menschen durchaus erhalten. In diesem Sinne erscheint in nahezu jeder Publikation zur Geschichte der Luftfahrt das „Universalgenie“ Leonardo da Vinci als eigentlicher Vater des Flugzeugs. Die immer wieder zitierte Entwicklung des Individuums während der Renaissance geht bei diesem Rückblick auf die Geschichte der Technik so mit der Beherrschung der Sphären einher, die stets als Hort der Träume, der Götter und der Sehnsüchte galt. Das Flugzeug wird im Rahmen einer solchen Geschichtsauffassung einerseits zu einer Verwirklichung von Mythos, andererseits zu einem einzigartigen Instrument der Aufklärung, das die Himmel erfolgreich entzaubert. Das Flugzeug symbolisiert in diesem Sinne die Vernunft und deren Macht, die natürlich am unmißverständlichsten beim Einsatz von Flugzeugen als Kriegswaffen zu Tage tritt. Dieser vielschichtigen Rolle der einzigartigen Erfindung steht jede Form von zeitgenössischer Alltagserfahrung mit dem Thema Fliegen entgegen. Das Linienflugzeug tritt als das standardisierte Verkehrsmittel überhaupt auf. Unterschiede zwischen Bautypen oder nationaler Zugehörigkeit scheinen spätestens mit dem Eintritt in die genormte Kabine verwischt. In der mild beleuchteten Druckkabine wird fast jede sinnliche Erfahrung von Flug erfolgreich neutralisiert. Die Maschinen scheinen meist bewegungslos in der Luft zu verharren. Das Flugzeug erzeugt so eine merkwürdige Paradoxie zwischen Mythos und standardisierter Alltäglichkeit. Genau zwischen diesen Polen bewegen sich die Künstler von „Wings of Art“, die den Symbolgehalt des Manifests technischer Vernunft ausloten oder ihn mit neuen Bedeutungen überziehen.
Die Künstler setzen so dem Flugtempo eine kunstinterne Geschwindigkeit gegenüber. Sie bringen das Flugzeug – so etwa Vera Lutter in ihren Fotografien, Sven Kroner in seinen Gemälden oder Ed Osborn in seinem Video – vielfach zum Stehen, entziehen ihm seine kinetische Energie, bannen es, lassen es als statische Plastik erscheinen, die die reale Größe der normalerweise als winzige Punkte am Himmel erscheinenden Maschinen bewußtmacht. Die Künstler entziehen dem Flugzeug programmatisch seine Funktion. Philipp Lachenmann nimmt dieses Motto wörtlich, indem er absurd scheinende Flugzeugfriedhöfe ablichtet. […]

Dr. Peter Joch
Dr. Annette Lagler

Zusätzliche Information

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ISBN-13